Samstag, 23. März 2013

"Opfer" von Cathi Unsworth



Es gibt Bücher, die mich bereits von der ersten Zeile an in den Bann ziehen. „Opfer“ von Cathi Unsworth ist ein solches Buch.
Der Kriminalroman ist unterteilt in zwei Zeitebenen. Im Jahr 2003 wird Privatdetektiv Sean Ward beauftragt, Ermittlungen im Fall Corrine Woodrow anzustellen. Diese sitzt seit mittlerweile 20 Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, nachdem sie vermeintlich einen Ritualmord begangen hat.

In langen Rückblicken wird das Leben der damals 15-jährigen Corrine aufgerollt, die auf Grund ihres familiären Hintergrunds nur wenig Chancen im Leben hatte. Detailliert schildert die Autorin den Alltag des Mädchens, ihre Schulzeit, ihre Freunde und ihre Freizeitgestaltung.
Schnell kristallisiert sich heraus, dass die verurteilte Mörderin in Wahrheit nur ein Opfer ist. Ohne Halt, dafür auf der Suche nach Zugehörigkeit schlittert sie in eine Situation, deren Ausmaß sie nicht gewachsen ist.

„Opfer“ ist weniger ein Kriminalroman sondern eher ein Roman. Dem Leser ist quasi von Anfang an bewusst, dass im Fall Corrine ein Justizirrtum vorliegt. Es geht beim Lesen nur als Nebenprodukt darum, einen Mörder zu entlarven. Viel mehr liegt die Spannung darin, jenen verhängnisvollen Sommer hautnah an Corrines Seite mitzuverfolgen.

Der Autorin gelingt es außerordentlich gut, die Charaktere lebendig werden zu lassen und ich war zu jeder Zeit absolut gefesselt von der Thematik und dem Handlungsverlauf.
Gerne hätte das Buch für meinen Geschmack einzig in der Vergangenheit spielen können bzw. hätte eine Kürzung der Handlung um Sean Ward der Geschichte noch zusätzlich Tempo verschafft. Die Begebenheiten im Jahr 2003 erschienen teilweise doch recht konstruiert und durchzogen von vielen Zufällen. Aber dieser Kritikpunkt sei nur ganz am Rande erwähnt, den „Opfer“ war eine sehr spannende Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen wollte.

Cathi Unsworth – bitte mehr davon!

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