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Samstag, 23. März 2013

"Opfer" von Cathi Unsworth



Es gibt Bücher, die mich bereits von der ersten Zeile an in den Bann ziehen. „Opfer“ von Cathi Unsworth ist ein solches Buch.
Der Kriminalroman ist unterteilt in zwei Zeitebenen. Im Jahr 2003 wird Privatdetektiv Sean Ward beauftragt, Ermittlungen im Fall Corrine Woodrow anzustellen. Diese sitzt seit mittlerweile 20 Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, nachdem sie vermeintlich einen Ritualmord begangen hat.

In langen Rückblicken wird das Leben der damals 15-jährigen Corrine aufgerollt, die auf Grund ihres familiären Hintergrunds nur wenig Chancen im Leben hatte. Detailliert schildert die Autorin den Alltag des Mädchens, ihre Schulzeit, ihre Freunde und ihre Freizeitgestaltung.
Schnell kristallisiert sich heraus, dass die verurteilte Mörderin in Wahrheit nur ein Opfer ist. Ohne Halt, dafür auf der Suche nach Zugehörigkeit schlittert sie in eine Situation, deren Ausmaß sie nicht gewachsen ist.

„Opfer“ ist weniger ein Kriminalroman sondern eher ein Roman. Dem Leser ist quasi von Anfang an bewusst, dass im Fall Corrine ein Justizirrtum vorliegt. Es geht beim Lesen nur als Nebenprodukt darum, einen Mörder zu entlarven. Viel mehr liegt die Spannung darin, jenen verhängnisvollen Sommer hautnah an Corrines Seite mitzuverfolgen.

Der Autorin gelingt es außerordentlich gut, die Charaktere lebendig werden zu lassen und ich war zu jeder Zeit absolut gefesselt von der Thematik und dem Handlungsverlauf.
Gerne hätte das Buch für meinen Geschmack einzig in der Vergangenheit spielen können bzw. hätte eine Kürzung der Handlung um Sean Ward der Geschichte noch zusätzlich Tempo verschafft. Die Begebenheiten im Jahr 2003 erschienen teilweise doch recht konstruiert und durchzogen von vielen Zufällen. Aber dieser Kritikpunkt sei nur ganz am Rande erwähnt, den „Opfer“ war eine sehr spannende Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen wollte.

Cathi Unsworth – bitte mehr davon!

Sonntag, 17. März 2013

"In dieser ganz besonderen Nacht" von Nicole C. Vosseler


Mit „In dieser ganz besonderen Nacht“ veröffentlicht Nicole C. Vosseler ihren ersten Jugendroman.

Das Leben der 16-jährigen Amber gerät aus den Fugen, als ihre Mutter ihrem Krebsleiden erliegt. Nicht nur, dass sie ihre wichtigste Bezugsperson verloren hat, sie muss sich nun auch an ihren Vater Ted gewöhnen, der ihr bisher nahezu fremd war. Dieser fackelt nicht lange und nimmt sie mit nach San Francisco. Fern von ihrer gewohnten Umgebung und ihren Freunden fühlt sich Amber einsamer denn je.
Obwohl sich Ted alle Mühe gibt, fällt es ihr schwer, sich in der neuen Umgebung einzugewöhnen. Erst als sie in einem verlassenen Haus den geheimnisvollen Nathaniel kennenlernt findet sie langsam ins Leben zurück. Dieser bleibt jedoch stets auf Distanz zu ihr und eines Tages erfährt Amber auch den Grund – Nathaniel ist eine verlorene Seele und Amber hat die Gabe Geister zu sehen. Diese schockierende Erkenntnis bringt mit sich, dass Amber endlich Freunde findet. Nach und nach bildet sich eine „Geisterseher-Clique“.

Der Autorin gelang es äußerst sympathische Charaktere zu entwickeln, die zeigen, dass sich hinter manch einer selbstaufgebauten Fassade ein ganz anderer Mensch verbirgt und es sich lohnt, dahinter zu schauen.
Oberflächlich betrachtet wirken Ambers neue Freund Matt, Shane, Abby und Holly wie ein Haufen Freaks. Bei genauerem Hinsehen stellt sich allerdings heraus, dass hinter all diesen schrägen Maskeraden liebenswerte, tiefgründige Menschen stecken, die einander mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ein Hinweis, den man durchaus auch auf das reale Leben übertragen sollte.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Mühelos konnte ich ab der ersten Seite in die Geschichte eintauchen. Nicole C. Vosseler beschreibt San Francisco detailliert und anschaulich so dass die Stadt vor meinem inneren Auge entstehen konnte und sich der Wunsch einstellte, selbst einmal durch diese Straßen zu laufen und natürlich das verlassene Haus mit dem hohen Eisenzaun zu besuchen...

Man merkt allerdings beim Lesen, dass es sich bei „In dieser ganz besonderen Nacht“ um ein Jugendbuch handelt. Im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen dieses Genres ist der Schreibstil teilweise doch recht einfach. Es ist in jedem Fall für die Generation 14 – 16 als Lektüre zu empfehlen.

Bis auf eine Ausnahme sind mir alle Charaktere schnell ans Herz gewachsen. Amber, ihre Freunde und ihr Vater Ted, Menschen, mit denen man gerne Zeit verbringen möchte. Die einzige Romanfigur mit der ich Schwierigkeiten hatte warm zu werden war ausgerechnet Nathaniel. Ich empfand ihn als eine etwas sture, leicht arrogante Person und so war es nicht ganz leicht nachzuvollziehen, warum Amber ausgerechnet an ihn ihr Herz verloren hat.

Nach einem starken Auftakt ging der Roman im Mittelteil in ein etwas zähes Plätschern über. Die Handlung begann zu stagnieren. Das wunderschöne und liebevoll gestaltete Cover hatte mir eine große Liebesgeschichte assoziiert, während des Lesens war mir unklar, ob diese wirklich noch eintreffen kann. Immerhin war es unmöglich, dass Amber und Nathaniel zusammen kommen können. Doch dann nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung und gewinnt damit ordentlich an Tempo. Im letzten Viertel des Buches überschlagen sich die Ereignisse und es geschehen Dinge, mit denen ich nicht gerechnet hätte, die das Buch aber originell werden lassen, da Nicole C. Vosseler von einem Friede-Freude-Eierkuchen Happy-End absieht und auf ihre ganz eigene Art und Weise alles zum Besten wendet.






Sonntag, 10. März 2013

"Endlich wieder Weiberabend" von Joanne Fedler

Mit „Endlich wieder Weiberabend“ veröffentlicht Joanne Fedler die Fortsetzung ihres Bestsellers „Weiberabend“.
Der erste Band ist mir nicht bekannt, aber durch eine kurze Vorstellung aller Charaktere am Anfang des Buches findet man sich schnell in der Geschichte zurecht.

6 Jahre sind seit dem letzten Weiberabend vergangen und die Freundinnen Jo und Helen haben beschlossen, dass es endlich einmal wieder Zeit für ein Wochenende fern von ihren Männern, Kindern und dem Haushalt ist. Einige Freundschaften haben sich in der Zwischenzeit zerschlagen oder aus den Augen verloren, andere sind hinzugekommen.
Und so wird sich an diesem Wochenende ein gemischter Haufen aus alten und neuen Bekanntschaften in einem luxuriösen Haus treffen.

Die Autorin verfasst ihren Roman in einer locker, leichten Sprache. Keine der Protagonistinnen hatte es in ihrem Leben leicht, doch alle haben sie einen mehr oder weniger humorvollen Weg gefunden um mit ihrem Schicksal umzugehen.

Am Anfang gelang es mir mühelos, mich in die Geschichte einzulesen. Joanne Fedler lässt die Gespräche der Frauen authentisch und lebhaft aufleben, so dass man sich mitten unter ihnen meint.
Was ich zu Beginn als angenehm empfand, ging mir im Verlauf des Buches allerdings mehr und mehr auf die Nerven.
Außer den Unterhaltungen der Damen gibt es keinerlei Handlung. Die Themen sind überwiegend oberflächlich und drehen sich einzig und allein um Mütter, Ehemänner, Kinder und Schönheits-OPs.
Diese banalen Gespräche langweilen mich schon im Alltag und so kam es, dass ich „Endlich wieder Weiberabend“ zunehmend ermüdend empfand. Gegen Ende musste ich mich regelrecht zwingen das Buch zu beenden.
Zudem fällt es mir generell schwer, mich mit Frauen zu identifizieren, die ihr Dasein einzig und alleine über ihre Familie definieren. Was soll die Kernaussage des Romans sein? Heirate und bekomme Kinder, ansonsten ist Dein Leben zu ewiger Einsamkeit verdammt und Du hast Deinen Zweck auf Erden nicht erfüllt? Dies halte ich für eine antiquierte Einstellung und ich finde es traurig, dem Leser zu vermitteln, dass dies die einzig wahre Erfüllung sein könnte.

Joanne Fedler hat ihre Dialoge durchaus realitätsnah verfasst. Man könnte sogar meinen, sie hätte ein Wochenende mit ihren Freundinnen Wort für Wort mitstenographiert. Ob dies jedoch von schriftstellerischer Leistung zeugt sei dahingestellt.

Alles in allem konnte „Endlich wieder Weiberabend“ meinen Ansprüchen an ein Buch nicht genügen. Außer dem Einstieg war es noch nicht einmal sonderlich amüsant sondern verbreitete überwiegend eine negative Stimmung erfüllt von Streitereien und Resignation. Auf den leichten Roman zur Zerstreuung wartete ich vergebens.
Ich muss sogar sagen, dass ich dieses Buch sowohl für Zeit- als auch für Papierverschwendung halte. All dieses belanglose „Blabla“ lässt sich an jeder Ecke finden ohne dass man dafür ein Buch aufschlagen muss.


Donnerstag, 14. Februar 2013

"Dinner mit Rose" von Danielle Hawkins


Als Josephine ihren Freund beim Fremdgehen mit ihrer besten Freundin erwischt beschließt sie, dass es Zeit für eine Veränderung in ihrem Leben ist. Kurzerhand zieht sie von Australien nach Neuseeland. Hier, in dem beschaulichen Örtchen Waimanu wohnt ihre Tante Rose – und ihre Jugendliebe Matthew, den sie nie ganz vergessen konnte.

Schon das Cover von Danielle Hawkins Debütroman „Dinner mit Rose“ ist absolut gelungen. Die zarten Pastellfarben laden zum Träumen ein und die Rosatöne harmonieren perfekt mit dem Romantitel. Hat man erst einmal begonnen zu lesen, findet man sich schnell in einer warmherzigen Atmosphäre wieder, die man so schnell nicht verlassen möchte.
Tante Rose ist eine schrullige Dame, die ihre kleine Farm und ihre Küche eigenwillig aber voller Charme führt.
Josephine fühlt sich hier mit offenen Armen empfangen. Ihre heimliche Liebe zu Matt belastet sie, dennoch ist sie froh, in seiner Gegenwart sein zu können.

Die Charaktere pflegen einen liebevollen, humorvollen Umgang und die scherzhaften Dialoge bringen den Leser regelmäßig zum schmunzeln.

Alles könnte so schön sein, in dieser rosafarbenen Zuckerwattewelt. Doch dann erkrankt Rose an Krebs und plötzlich hat dieses erst etwas seicht anmutende Buch ungeahnten Tiefgang.
Die Familie ist erschüttert über Roses Schicksal doch diese erträgt die Situation mit bewundernswerter Würde und verliert dabei eins nie – ihren Sinn für Humor.

Manchmal liegen lachen und weinen nur einen schmalen Grat von einander entfernt. In dieser Geschichte ist dies definitiv der Fall.
Danielle Hawkins ist ein wunderbar bewegender Roman gelungen in dem ich mich von der ersten bis zu letzten Seite wohl fühlte. Sie zeigt mit ihrer Geschichte, dass es egal ist, ob man krank oder gesund ist, ob das Haus ein Loch im Dach hat und der Wind durch jede Ritze zieht. Gemeinsam mit geliebten Menschen lässt sich aus jeder Situation dass Beste machen und so manches gelingt leichter, wenn man das Leben nicht allzu ernst nimmt.

Mit Tante Rose hat die Autorin eine Protagonistin erschaffen, von der es schwer fällt, am Ende des Buches Abschied zu nehmen. Aber auch alle anderen Charaktere sind perfekt gelungen. Die detaillierten Beschreibungen lassen die Figuren lebendig werden. Jeder ist auf seine Art ein schräger Vogel und zusammen bilden sie eine außergewöhnliche Dorfgemeinschaft. Auch für die Beschreibung der Eigenarten der Tiere nimmt sich Danielle Hawkins Zeit, so dass man nach der Lektüre am liebsten selbst ein Hausschwein möchte, nur um dieses mit einer eigens dafür bestimmten Schweinegabel zu kraulen.

Meine Erwartungen an diesen Roman wurden vollkommen erfüllt und ich freue mich schon jetzt auf ein nächstes Buch von Danielle Hawkins.


Dienstag, 8. Januar 2013

"Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw


Mit „Der Mann, der den Regen träumt“ veröffentlicht Ali Shaw seinen zweiten Roman.
Das Wetter spielte in Elsas Leben schon immer eine große Rolle. Ihr Vater war ein selbst ernannter Sturmjäger, stets rastlos und auf der Suche nach dem nächsten Gewitter. So gelang es ihm schon früh, die Faszination seiner Tochter für das Wetter zu wecken.
Nach seinem Tod bricht für Elsa eine Welt zusammen. Sie lässt ihr altes Leben hinter sich und es scheint wie Führung, dass es sie ausgerechnet in einen kleinen Ort namens Thunderstown verschlägt. Hier scheinen die Uhren anders zu ticken. Die Bewohner weisen dem Wetter eine große Bedeutung zu und sind davon überzeugt, dass der böse Geist Old Man Thunders über sie herrscht. Ihm geben sie die Schuld, für all die Gewitter und Unwetter die in ihrer Stadt wüten und zerstören.

Genauso verzaubernd wie das liebevoll gestaltete Cover des Buches ist auch Ali Shaws Sprache. Er beschreibt das Wetter und die Natur in all seinen Facetten und es ist ein Genuss für jeden Naturliebhaber seinen Ausführungen zu folgen. Die Lektüre weckt immer wieder den Wunsch, sofort zu einem Spaziergang aufzubrechen.
Viele übernatürlichen Wesen konnte ich in den letzten Jahren in Büchern finden, doch von einem Gewitter, dass die Gestalt eines Menschen annehmen kann hatte ich noch nie gelesen. Des Weiteren erschafft der Autor niedliche Wasserpferde und Kanarienvögel die aus Sonne bestehen. Mit seinen originellen Ideen fasziniert und begeistert er den Leser.

Auch Elsa kann sich der Anziehungskraft des menschlichen Gewitters Finn nicht entziehen. Zwei Wesen, die auf den ersten Blick so verschieden erscheinen, entdecken viele Gemeinsamkeiten. Zwei von der Gesellschaft oft Ausgegrenzte, von dem Gefühl der Fremdartigkeit Geplagte finden hier zu einem gemeinsamen Ganzen zusammen.

„Der Mann, der den Regen träumt“ ist ein melancholisches Buch. Es erzählt von Einsamkeit, Verlust und Ängsten und transportiert diese Stimmungen über die Buchseiten hinaus in die Welt des Lesers. Dadurch empfand ich das Lesen zeitweise etwas bedrückend.
Abschließend kann ich sagen, dass mich Ali Shaws Wortwahl und seine Fantasie verzaubert haben. Dieser Roman ist eine ruhige, unaufgeregte Geschichte und ich muss gestehen, dass es mir etwas schwer fiel, längere Zeit am Stück darin zu lesen, weil es mich schnell ermüdet hat, was ich sehr schade fand.

Samstag, 15. Dezember 2012

Asche und Phönix von Kai Meyer


Das aufwendig gestaltete Cover von Kai Meyers neuem Roman „Asche und Phönix“ ist das Erste, was den Leser dazu verleitet, die Hand nach diesem Buch auszustrecken. Befreit man es schließlich von seinem Schutzumschlag, kommt die erste Überraschung zum Vorschein, denn auch hier wurde mit viel Liebe zum Detail ein Layout entworfen. Als Thema wurde hier die Fotografie mit einer Polaroidkamera aufgegriffen, welche eine Rolle in der Geschichte spielt.

Zum Inhalt:
Die heimatlose Ash schlägt sich mit Diebstählen durchs Leben. Eines Tages wird sie von dem populären Jungschauspieler Parker Cale bei einem Einbruch in seiner Hotelsuite überrascht. Dieser liefert sie nicht etwa dem Sicherheitsservice aus, sondern bittet sie seinerseits um einen Gefallen. Da Parker soeben vor laufenden Kameras der Welt mitgeteilt hat, wie leid er seine Filmrolle als Magier und dem damit verbunden Erfolg ist, wünscht er sich, das Hotel unauffällig zu verlassen. Ash kommt dieser Bitte nach und plötzlich befinden sich beide in einem Strudel aus Gefahren und Widersachern. Der so harmlos begonnene Tag endet in einer Odyssee.


Auf Grund des Klappentextes wusste ich nicht, was genau ich von „Asche und Phönix“ erwarten kann. Ist es eine Liebesgeschichte? Fantasy oder real?
Der Auftakt ist ruhig und gibt noch keine weiteren Aufschlüsse. Von Anfang an gelingt es Kai Meyer den Leser durch seine bildhaften Ausführungen an die Geschichte zu fesseln. Ash ist ein Charakter, den man trotz ihrer kriminellen Handlungen schnell in sein Herz schließt. Sie begeht Ihre Diebstähle und Einbrüche nicht aus Berechnung, sondern aus purem Überlebenswillen, wobei sie bemüht ist, so wenig Schaden wie möglich anzurichten.
In Parker möchte man zunächst den vom Erfolg verwöhnten Schauspieler sehen, doch sehr schnell kristallisiert sich heraus, dass hinter dieser Fassade ein Mensch lebt, der den Ruhm einfach nur leid ist und langsam aber sicher daran zu Grunde geht.

Kaum haben die beiden ihre Flucht angetreten, beginnt sich die Geschichte zu drehen. Wie bereits beim Abnehmen des Schutzumschlags hat Kai Meyer auch beim Inhalt eine Überraschung parat, mit der man allein durch lesen des Klappentextes nicht unbedingt rechnen konnte. Aber wer bereits Werke des Autors kennt, konnte sicherlich erahnen, dass er auch dieses mal Fantasyelemente einbauen wird.
Grundsätzlich ist bereits zu jedem erdenklichen übersinnlichen Thema ein Buch verfasst worden, so dass es merkwürdig erscheinen muss, wenn ich hier von einer originellen Entwicklung spreche. Kai Meyer bedient sich dem ältesten aller dunklen Geschäfte – dem Pakt mit dem Teufel und erweckt nebenbei den ein oder anderen Zombie zu neuem Leben. Gerade in einer Zeit, in der Vampire, Werwölfe etc. das Buchangebot beherrschen brachte dies für mich den Reiz des Neuen mit sich.

„Asche und Phönix“ ist ein Jugendbuch. Ich kann es allerdings ohne Einschränkungen auch Erwachsenen empfehlen. Mehr noch, ich finde, es sogar maximal für ältere Jugendliche geeignet. Die dunklen Widersacher sind schaurige Gestalten, die jegliches Empfinden verloren haben. Ihre Gräueltaten sind wahre Blutbäder und der Autor schreckt vor der ein oder anderen detaillierten Schilderungen nicht zurück.
In all diesem Trubel erscheint es nahezu unvermeidlich, dass Parker und Ash sich verlieben. Dies wirkt jedoch nicht etwa konstruiert, sonder gliedert sich perfekt in das Geschehen ein. Die Gefühle des Paares werden authentisch dargestellt und lassen den Leser die beiden Protagonisten weiter ins Herz schließen.

Kai Meyer erzählt seinen Roman in einem rasanten Schreibstil. Atemlos fiebert man mit Ash und Parker mit und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Mehr als einmal lehrt der Autor dem Leser das Fürchten und am Ende angekommen schnauft man gemeinsam mit den beiden Helden erschöpft durch.
„Asche und Phönix“ ist eins der letzten Bücher, die ich im Jahr 2012 gelesen habe – es ist ihm jedoch ein klarer Sprung in meine Top 10 Jahresliste gelungen. Jede der 464 Seiten hat mich gefesselt und begeistert und ich gebe eine absolute Leseempfehlung ab!
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass der Erwerb des Buches einen kostenlosen Download des E-Books beinhaltet. Da ich keinen E-Book Reader besitze, habe ich dies nicht in Anspruch genommen. Generell sehe ich keinen rechten Sinn dahinter, dass Buch sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form zu besitzen – dennoch ein schönes Gimmick.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

"Die Plantage" von Catherine Tarley

Amerika 1781. Die verwitwete Antonia Lorimer versucht verzweifelt ihre Plantage vor dem Ruin zu bewahren. In einer Zeit, in der Geschäfte eine reine Männerdomäne sind ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Wie der Zufall es will, findet sie eines Nachts einen verletzten Mann in ihren Stallungen. Obwohl der Verwundete schnell als englischer Soldat und somit als Feind enttarnt ist, pflegt sie ihn gesund und macht ihn anschließend zu ihrem Verwalter.

Ähnlich wenige Details verriet mir der Klappentext und so ging ich davon aus, dass es sich bei Catherine Tarleys Roman um eine Südstaatenschnulze auf über 800 Seiten handelt.
Tatsächlich hat das Buch allerdings eine weitaus breitere Themenvielfalt zu bieten, als man anfänglich vermutet. Man könnte sogar sagen, dass das inhaltliche Spektrum kaum ein mögliches Szenario auslässt. Von Krieg über indianische Medizinfrauen und Sklaverei bis hin zu einem psychopathischen Mörder ist hier alles vertreten.
Der integrierte Kriminalfall war wohl die größte Überraschung. Die Autorin spart nicht mit blutigen und brutalen Details und insbesondere gegen Ende sorgt die Suche nach dem Mörder für Spannung und beschleunigt das Lesetempo.

Worauf ich in diesem Roman jedoch vergeblich wartete war die große Liebesromanze. Sicherlich, Antonia und William Marshall gehen eine Beziehung ein und wie die zwei Königskinder fällt es ihnen schwer, zueinander zu finden.
Dennoch ist dies kein Schicksal, bei welchem man mit Tränen in den Augen mitfiebert. Zu kantig und emotionslos erscheint der Held William. Getrieben von Rachegelüsten vereinnahmt ihn die Suche nach seinen einstigen Peinigern. Es fällt ihm schwer, Gefühle zu zulassen und durch seinen harten Kern ist es auch für den Leser nicht einfach Sympathie für ihn zu entwickeln.
Auch Antonia empfand ich als einen etwas schwierigen Charakter, zu dem ich bis zuletzt keinen wirklichen Zugang fand. Sie ist nicht die starke Frau, wie man zuerst erwartet, keine zweite Scarlett O' Hara. Im Grunde ist sie eine hilflose Witwe, die stets auf die Hilfe Anderer angewiesen ist. Sei es William, ihr Banker Andy, ihr schwarzer Halbbruder Joshua oder ihr Kindermädchen Charlene. Immer sind es die Anderen, die ihr die Welt erklären und den Weg nach vorne ebenen.

Teilweise agieren die Protagonisten in einer Art und Weise, in der ich wirklich nicht anders konnte, als darüber den Kopf zu schütteln. Sowohl der Umgang mit Antonias Schwangerschaft als auch der verzweifelte Versuch aller Beteiligten den Mörder zu schützen wirken mehr als blauäugig.

Am Ende wartet die Autorin mit einem überraschenden Schluss auf, mit welchem ich nie und nimmer gerechnet hätte, welches Antonia allerdings einen weiteren Minuspunkt bei mir einbrachte.

Fazit
„Die Plantage“ ist auf Grund seiner Dicke eine Geschichte, die den Leser länger begleitet. Hier und da hätte eine Kürzung die Story schneller in Fahrt gebracht. Gerade zu Anfang tat ich mir etwas schwer, mich in das Buch zu vertiefen. Insbesondere gegen Ende, als der Fokus sich immer mehr auf das Wirken des Mörders verschiebt, wurde der Roman doch noch zu einem spannenden Leseerlebnis und ich blieb längere Zeit am Stück in der Geschichte hängen.
Die Autorin hat in jedem Fall die geschichtlichen Hintergründe gut recherchiert und die Problematiken seitens Geschlecht und Hautfarbe glaubhaft dargestellt. Ein umfangfreiches Glossar rundet die Erläuterungen ab.
Auch die optische Aufmachung ist gelungen und das stattliche Herrenhaus auf dem Cover lädt dazu ein, Damen in Reifröcken und Pferdekutschen vor dem inneren Auge entstehen zu lassen.

Für verschneite Winterwochenenden eine sicherlich nicht ganz verkehrte Leseempfehlung.


Sonntag, 9. Dezember 2012

Das grüne - nicht nur vegetarische - Kochbuch von Dagmar von Cramm


Im Rahmen der lovelybooks Testleserunde bekam ich „Das grüne – nicht nur vegetarische – Kochbuch“ von Dagmar von Cramm, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte.
Dies ist meine erste Kochbuchrezension. Ich finde es etwas schwierig, den passenden Zeitpunkt zu finden. Einen Roman lese ich von vorne bis hinten durch, aber wann ist ein Kochbuch-Test abgeschlossen? Mittlerweile habe ich einige Rezepte ausprobiert, so dass ich mir einen ersten Eindruck verschaffen kann.

Das Anliegen
Das grüne Kochbuch wirbt damit, dem Käufer bei seinem Bestreben möglichst ökologisch einzukaufen und zu kochen zu unterstützen. Zur Einführung befasst sich die Autorin auf je einer Doppelseite mit den Sparten der Ernährung (Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide und Backwaren, Fleisch, Milch- und Milchprodukte, Eier, Fisch, Nüsse und Soja) und analysiert deren Wert für die Gesundheit des Menschen sowie wie grün deren Verzehr und Verwendung ist. Des Weiteren gibt sie Tipps, zu einem möglichst ökologischen Einkauf der Lebensmittel.
Auch Energiesparmaßnahmen beim Kochen sowie sinnvollen Resteverwertung und die Vermeidung von Abfällen finden Raum in diesem Buch.

Nach den allgemeinen Tipps gliedert sich das Kochbuch in vier Kapitel entsprechend der Jahreszeiten. Nach einer kurzen Einführung über die jeweiligen saisonalen Lebensmittel folgen zahlreiche Rezepte.

Die Aufmachung
Das grüne Kochbuch wartet mit sehr schön angerichteten und ansprechenden Fotos der Speisen auf. Aufnahmen von Blumen und Dekorationen runden das Gesamtbild ab. Es ist in jedem Falle ein Buch, welches man gerne zur Hand nimmt und durchblättert.

Rezepte
Von Suppen über Salate bis hin zu Hauptgerichten und leckeren Desserts ist hier alles zu finden. Egal ob alltagstauglich oder festlich.
Die von mir ausprobierten Rezepte sind mir alle gut gelungen und haben mir größtenteils gut geschmeckt. Die Mengenangaben war zutreffend. Das Kochbuch bereichert den Speiseplan durch ungewöhnliche Kombinationen wie z. B. Lasagne mit Rote Beete, Kartoffelauflauf mit Birnen oder Gemüsegratin mit Quark. Das Buch ist eine wahre Fundgrube dieser Zutatenmixe.

Allgemeines
Das Kochbuch trägt den Untertitel – nicht nur vegetarisches Kochbuch. Dies assoziierte bei mir, dass es sich überwiegend um vegetarische Rezepte handelt. Entsprechend enttäuscht war ich, als ich nach dem ersten Durchblättern feststellte, dass das Buch doch sehr viele tierische Gerichte beinhaltet, inklusive einiger Aufnahmen von im Stück gebratenen Fischen und Gänsen, was ich als Vegetarier äußerst abstoßend finde.
Die Rezeptauswahl ist für mich das größte Manko des Kochbuches. Für Vegetarier ist ungefähr 1/3 der Gerichte kochbar, weswegen ich es mir selber nicht gekauft hätte. Unter den verbleibenden Rezepten konnte ich allerdings sehr viele mit einem Post-it als für mich interessant markieren. Zu dem ist es als positiv zu werten, dass die Gerichte ohne die Anschaffung spezieller Zutaten und Gewürze auskommen und alles leicht zu bekommen bzw. bereits vorhanden ist.

Abschließend kann ich sagen, dass ich das „Grüne Kochbuch“ Nicht-Vegetarieren ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann. Vegetariern würde ich – auf Grund des Preise und der begrenzten Auswahl – doch eher davon abraten.

Samstag, 24. November 2012

"Die Verratenen" von Ursula Poznanski


Ursula Poznanski lässt sich nicht in Schubladen stecken. Nach zwei Jugendthrillern sowie einem Thriller für Erwachsene veröffentlicht sie nun mit „Die Verratenen“ den ersten Teil einer Dystopie.

Zum Inhalt
Die Gesellschaft hat sich zweigeteilt. Der privilegierte, überwiegend künstlich gezüchtete Teil lebt behütet in Glaskuppeln, sogenannten Spähren. Die Menschen haben ihre Eigenständigkeit verloren und leben nach den strengen Vorgaben des Systems. Ernährung, medizinische Versorgung etc. alles wird exakt angepasst um das höchstmögliche Wohlbefinden zu erreichen.
Auch von ihren Studenten fordert die Regierung hohe Leistungen und ehrt die Besten in einer Rangliste.
Die Menschen sind mit ihrem Leben zufrieden und halten all diese Maßnahmen für angebracht und ihrem Schutz dienend. Bis zu dem verhängnisvollen Tag, als die Elitestudentin Ria ein Gespräch belauscht, in dem sie und 5 ihrer Kommilitonen als Verräter beschuldigt und zum Tode verurteilt werden.
Nur knapp können sie fliehen, aber in der Außenwelt sind sie nicht nur den Gefahren durch ihre Verfolger ausgesetzt, sondern auch dem blanken Hass der armen Bevölkerung.



Die Story von „Die Verratenen“ ist auf eine Triologie angelegt. In dieser Tatsache begründet sich eventuell der etwas schleppende Einstieg. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten in die Geschichte einzufinden. Die Namen klangen ungewohnt und erinnerten etwas an das Mittelalter. Das Leben der Spärenbewohner folgt strengen Regeln, ist aber auch nicht wirklich interessant. Und so kam es, dass ich das Buch am Anfang mehrmals nach ein paar Seiten auf die Seite legte. Doch plötzlich, nach den ersten 80 Seiten war es da – das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Ursula Poznanski läuft zu ihren gewohnten Hochtouren auf und versetzt den Leser in eine atemlose Spannung so dass es schwer fällt, die geeignete Stelle für eine Leseunterbrechung zu finden.
Obwohl die Autorin auch in diesem Buch auf das von ihr bereits mehrfach beschriebene Katz- und Mausspiel zurückgreift kommt keineswegs Langeweile auf. Viel eher findet man sich selbst in einer Ratesituation wieder. Wer mag der Verräter in der Gruppe sein? Wem kann man vertrauen und wer ist der Feind. Der Leser ist der Hauptfigur Ria mit keinerlei Informationen voraus, was ich als sehr positiv werte. Denn so fällt es leicht, sich in Rias Situation hineinzuversetzten und gemeinsam mit ihr achtet man auf jedes Detail um den Maulwurf zu enttarnen.
Die Autorin bedient sich zwar den bereits in etlichen Romanen gelesenen Klischees einer Zukunftsvision, verzichtet allerdings auf eine Liebesromanze. Die Story ist einzig auf das Überleben und den Zusammenhalt der Gruppe zentriert.
Wie bereits am Anfang befürchtet ist auch am Ende des Buches kein Licht ins Dunkle gebracht, das Ende ist offen und ich kann es schon jetzt kaum abwarten den zweiten Teil zu lesen.


Sonntag, 4. November 2012

"Torstraße 1" von Sybil Volks


Der Roman „Torstraße 1“ umfasst den Zeitraum zwischen 1928 und 1999. Stets im Mittelpunkt der Geschichte befindet sich das Haus in der Torstraße 1, welches dem Buch seinen Titel gegeben hat. Hier wird im Jahr 1928 Berlins erstes Kreditkaufhaus Jonass eröffnet. Für die junge Büroangestellte Vicky ist die Eröffnungsfeier in jeder Hinsicht ein unvergessliches Ereignis. Mitten im Trubel der Feier kommt ihre Tochter Elsa auf die Welt. Da es sich beim Vater um den Sohn des Kaufhausbesitzers handelt und dieser die Beziehung geheim halten möchte, schlägt sie sich überwiegend alleine durch. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges und die Tatsache, dass ihr geliebter Harry jüdischer Herkunft ist sorgen für zusätzliche Schwierigkeiten.
Der weitere Verlauf der Geschichte befasst sich mit dem Erwachsen werden von Elsa und später auch mit ihren Kindern und Enkeln. Durch ihre ungewöhnliche Geburt und die viele Zeit, die Elsa als Kind im Kaufhaus verbrachte fühlt sie sich ihr ganzes Leben mit diesem Haus verbunden und kann es nur schwer akzeptieren, dass dieses erst den Nazis und später dem DDR-Regime in die Hände fällt.

Sybil Volks ist eine authentische Darstellung der geschichtlichen Zusammenhänge Deutschlands gelungen. Gut recherchiert und kurzweilig fasst sie die wichtigsten Jahre zusammen. Sie verleiht der Geschichte Glaubwürdigkeit durch den bewussten Verzicht von zu vielen Happy-Ends und einer zu sonnige Beschreibung. Obwohl ihre Charaktere mit ihrem Leben nicht immer zufrieden sind, arrangieren sie sich doch mit den Gegebenheiten und treffen Entscheidungen, die zwar nicht unbedingt zu ihrem Glück beitragen aber aus Sicht der Vernunft die besten Lösungen bieten. Die Protagonisten stehen zu ihren Überzeugungen und so finden auch die Schattenseiten, die die Wende für manchen DDR-Bürger mit sich brachten, Raum in diesem Roman.

Ich habe „Torstraße 1“ gerne gelesen. Jedoch konnte ich mich mit dem Schreibstil der Autorin nicht zu hundert Prozent anfreunden. Teilweise bedient sie sich relativ einfacher Worte. Auch fand ich die Titel der Kapitel nicht unbedingt zum Roman passend, da sie einen überwiegend schwülstigen Unterton haben.
Das meiner Meinung nach größte Manko des Buches ist der etwas chaotische Aufbau. Außer zu Beginn und am Ende werden konkrete Jahreszahlen nur nebenbei erwähnt. Die Erzählung macht immer wieder große Zeitsprünge, welches sich aber erst nach einigen Zeilen für den Leser erschließt. Die dazwischen liegenden Erlebnisse lassen sich nur aus dem Zusammenhang zusammenreimen.
Für das Verständnis hätte ich es angenehmer gefunden wenn die Zeiträume deutlicher betitelt worden wären.

Abschließend gilt mein Lob dem dtv Verlag, der sich ein wirklich schönes Cover für dieses Buch überlegt hat. Ein optisch so ansprechendes Buch stellt man sich gerne ins Bücherregal.

Samstag, 3. November 2012

"Pandemonium" von Lauren Oliver - Teil 2 der Amor-Triologie






 „Pandemonium“ setzt nahtlos dort an, wo „Delirium“ aufhörte. Für das Verständnis der Geschichte ist die Kenntnis des ersten Teils in jedem Falle ratsam.

Lenas Welt ist zusammengebrochen. Ihr ganzes Leben war geprägt vom Glauben an das System und sie konnte es kaum erwarten volljährig und von der Krankheit Liebe geheilt zu werden. Nun hat sich all dies als große Lüge entpuppt, selbst der Tod ihrer Mutter wurde ihr nur vorgegaukelt.
Nun ist Lena auf der anderen Seite der Mauer – in der Wildnis. Nur leider ohne ihren geliebten Alex, der bei der Flucht festgenommen wurde.
Lena kann sich nur schwer in ihrer neuen Umgebung mit ihren harten Lebensbedingungen zurecht finden. Sie ist erfüllt von Wut und Hass und so kehrt sie als Widerstandskämpferin in ihre alte Welt zurück. Ein wahres Feuerwerk an Ereignissen nimmt seinen Lauf.


Da ich beide Bände in direktem Anschluss verschlungen habe, habe ich mich fast schon in den Amor-Triologie-Rausch gelesen.
„Pandemonium“ ist untergliedert in zwei Zeitebenen. Abwechselnd spielt die Geschichte im jetzt und im damals. Während sich das aktuelle Geschehen mit Lenas Rückkehr als Widerstandskämpferin befasst schildern die Kapitel von damals ihre Zeit unmittelbar nach ihrer Flucht und ihrer Ankunft in der Wildnis.
Ich muss gestehen, dass mich die Kapitel über das damals nicht wirklich mitreißen konnten. Zu ausschweifend war der Erzählstil welcher auch für die Geschichte Nebensächliches bis ins Detail schilderte. Dazu kam, dass mir sämtliche Charaktere dort unsympathisch waren, allen voran Raven, bzw. wurden andere dermaßen blass beschrieben, dass ich überhaupt keine Verbindung zu ihnen aufbauen konnte.

Ganz anders ging es mir mit den Kapiteln aus der Gegenwart. Hier hatte der Roman die selbe Suchtwirkung auf mich wie „Delirium“ und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, so fesselnd und bildhaft beschreibt Lauren Oliver die Ereignisse. Neben Lena ist mit Julian, der Sohn eines wichtigen Politikers im Kampf um ein deliriafreies Ameria, ein weiterer sympathischer Protagonist hinzugekommen. Die beiden geraten in die Hände von Entführern und schon bald sind die scheinbar unüberbrückbaren Grenzen und Einstellungen gar nicht mehr so gravierend.

Wie sollte es auch anders sein – auch „Pandemonium“ endet mit einem gewaltigen Cliffhanger. Der Gedanke, erst in ca. einem Jahr zu wissen, wie es weitergeht könnte einem fast schlaflose Nächte bescheren. Auch wenn man mit dem Ende ein wenig spekuliert hat ist dennoch alles offen und ich kann mir noch nicht vorstellen, wie diese Geschichte enden wird geschweige denn welches Ende ich mir wünsche.

Zwischendurch erinnert mich diese Dystopie ein wenig an die „Tribute von Panem“. Ich kann die Serie deswegen jedem empfehlen, der auf der Suche nach adäquatem Ersatz ist.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

"Zorn - Vom Lieben und vom Sterben" von Stefan Ludwig


Mit „Zorn – Vom Lieben und vom Sterben“ veröffentlicht Stefan Ludwig seinen zweiten Thriller um das Ermittlerduo Zorn und Schröder.

Kaum ist Kommissar Schröder aus dem Krankenhaus zurück ins Präsidium gekehrt geschieht ein Mord. Sehr zum Missfallen von Claudius Zorn, der lieber eine ruhige Kugel an seinem Schreibtisch schieben möchte als auf Verbrecherjagd zu gehen. Vorallem, da hier ein merkwürdiger Fall vorliegt. Ein Radfahrer musste – fast geköpft – sein Leben lassen, da ein Draht im Wald gespannt wurde. Der Jugendliche ist Teil einer Clique, deren Mitglieder eisern schweigen. Spätestens, als unmittelbar danach der Zweite der Freunde brutal ermordet wird ist klar, dass es jemand auf dieses Gruppe abgesehen hat. Doch warum?

Obwohl es sich hier um eine Serie handelt, lässt sich „Vom Lieben und vom Sterben“ auch ohne Vorkenntnisse lesen. Mir selber ist der erste Teil nicht bekannt und ich habe mich mühelos zurecht gefunden. Die privaten Hintergründe erschließen sich während des Lesens.

Die einzelnen Kapitel sind in kurze Unterkapitel unterteilt, die sich teilweise nur auf ein bis drei Seiten erstrecken. Dadurch kann man das Buch, bei Bedarf, auch gut zur Hand nehmen, um eine kurze Wartezeit zu überbrücken.

Stefan Ludwig erzeugt von Anfang bis Ende eine solide Spannung. Zu keiner Zeit kommt Langeweile auf. Unterschiedliche Verdächtige halten die Geschichte kurzweilig.

Schröder und Zorn sind zwei nicht ganz einfache Charaktere. Definitiv sind sie keine Protagonisten, die dem Leser ans Herz wachsen. Während Schröder ein vermeintlich dunkles Geheimnis hütet und mit (gesundheitlichen) Problemen zu kämpfen hat, macht Claudius Zorn seinem Namen alle Ehre. Aggressiv trampelt er durchs Leben und tritt ungeniert jedem auf den Schlips, der seine Wege kreuzt. Auch, wenn mich der ein oder andere seiner Sprüche zum Schmunzeln brachte, ging mir sein Verhalten überwiegend auf die Nerven.

Allgemein hat sich der Thriller fesselnd gelesen, nichts desto trotz bin ich zwiegespalten, ob ich weitere Teile der Serie lesen werde.
Zu dem absolut unsympathischen Ermittlerduo kommt das ein oder andere Szenario, welches mir definitiv zu viel war.
Natürlich ist ein Thriller immer auch gewalttätig und brutal. Warum der Autor allerdings die zu Tode Folterung eines Hundes in detaillierter Ausführung in die Geschichte einbauen musste erschließt sich mir nicht. Zumal dies in keinerlei Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema des Buches steht.
Des Weiteren hat mich schon ganz zu Anfang der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln von Herrn Zorn gestört.

Alles in Allem verbreitet das Buch eine äußerst negative Stimmung.


Dienstag, 25. September 2012

"Das Schneemädchen" von Eowyn Ivey


Mabel und Jack sind ein nicht mehr ganz junges Ehepaar. Ihre ungewollte Kinderlosigkeit hat ihr Leben in Trauer in Schweigen getaucht. Rigeros beschließen sie, in der Wildnis Alaskas einen Neuanfang zu wagen. Weit entfernt von Freunden und Bekannten möchten sie ganz für sich leben. Besonders Mabel besteht auf den völligen Kontaktabbruch zur Außenwelt. Der Alltag und das Klima sind härter als gedacht und Mabel und Jack gelangen sowohl körperlich als auch finanziell an ihre Grenzen.
Der erste Neuschnee weckt in ihnen eine fast kindliche Freude und in einem Augenblick der Ausgelassenheit bauen sie ein Mädchen aus Schnee. Am nächsten Morgen machen die Eheleute zwei merkwürdige Entdeckungen – die Schneefigur ist verschwunden und ein kleines Mädchen stromert scheinbar herrenlos durch den Wald...

Eowyn Ivey erschafft mit ihrem ersten Roman eine Welt, auf die man sich nur allzu gerne einlässt. Sie zeichnet eine wunderbar winterliche Atmosphäre, so dass man es kaum noch abwarten kann, selbst wieder durch Schneelandschaften zu stapfen und eine Sehnsucht nach Winter fühlt.

Die zentrale Frage die sich beim Leser stellt ist die Herkunft des kleinen Mädchens. Ist das Schneekind tatsächlich zu Leben erwacht? Der Bezug zu einem russischen Märchen schürt diesen Verdacht. Die Dialoge mit dem Kind heben sich von den übrigen Gesprächen durch fehlende Anführungszeichen ab, was die Überlegung aufwirft, ob die Unterhaltungen wirklich stattfinden oder nur ein Produkt der Phantasie sind.
Oder gibt es für all das vielleicht doch eine logische Erklärung – ein Waisenkind, zurückgelassen im Wald?

Der Wunsch hinter das Geheimnis des Kindes zu kommen lässt den Leser nicht mehr los. Aber was das Mädchen auch ist, es scheint eine magische Ausstrahlung zu haben. Das einst so triste Leben von Mabel und Jack nimmt eine positive Wendung. Beide gewinnen an Lebensfreude zurück und auch ihre Liebe zueinander keimt neu auf. Mabel gibt ihren Wunsch nach kompletter Einsamkeit auf und findet in der Nachbarsfrau Esther eine gute Freundin. In Zeiten der Not erkennt sie wie wichtig es ist, sich auf eine ehrliche Freundschaft verlassen zu können.

„Das Schneemädchen“ ist ein zauberhaftes Buch, das den Leser komplett entführt. Eowyn Ivey schreibt so lebendig, dass man beim Lesen alles um sich herum vergisst und sich vollständig in den Weiten Alaskas verliert.
Der Autorin gelingt es spielend, die von ihr beschriebenen Emotionen zu transportieren und so leidet, lacht und weint man mit den Protagonisten mit.
Nur schweren Herzens habe ich, auf der letzten Seite angekommen, das Buch geschlossen.
Ein absolut lesenswertes Debüt!

Donnerstag, 13. September 2012

"Das Geheimnis der Schwestern" von Kristin Hannah


Der Titel zu Kristin Hannahs neuem Roman „Das Geheimnis der Schwestern“ ist etwas irreführend gewählt. Das Buch handelt nicht, wie man zuerst annimmt, von einem lange gehütetem Familiengeheimnis, sondern von den familiären Beziehungen der Greys.
Nach dem frühen Tod der Mutter wachsen die drei Töchter alleine mit dem Vater auf einer Pferderanch auf. Während die Schwestern Winona und Aurora mit ihrem Leben und um die Gunst des Vaters kämpfen scheint Vivi Ann auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Als Einzige genießt sie, zumindest oberflächlich, die Anerkennung des Vaters. Auch an Verehrern hat sie keinen Mangel. Insbesondere Winona kann den Neid auf ihre jüngere Schwester nur schwer verbergen. Als Vivi Ann ihr Herz an den Indianer Dallas verliert nimmt ihr Leben eine tragische Wende, an der auch Winona nicht unbeteiligt ist.

Große Gefühle sind der Stoff, aus denen Kristin Hannah ihren Roman webt. Von Liebe, über Neid und zerstörende Eifersucht bis hin zu Reue und Vergebung bedient sie sich gekonnt der kompletten Palette. All dies findet vor dem Schauplatz einer Pferderanch statt, was ein ausschlaggebender Grund war, warum ich zu diesem Buch gegriffen habe. Als Kind habe ich Pferderomane verschlungen und da man diese beeindruckenden Tiere selten in Büchern für Erwachsene findet, hat mich „Das Geheimnis der Schwester“ schon deswegen angesprochen. Man fühlt sich unheimlich wohl dort, bei den Pferden und möchte nach der Lektüre am liebsten sofort auf den nächsten Reiterhof fahren.

„Das Geheimnis der Schwestern“ ist ein Buch, so bildgewaltig wie ein Film. Sehr schnell fühlte ich mich mitten im Geschehen. Die Autorin schreibt in einer Lebendigkeit, der man sich nur schwer entziehen kann. Dieses Buch möchte man am liebsten in einem Rutsch lesen, da man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Ich bin Abends extra früher ins Bett gegangen, um noch eine Stunde länger lesen zu können.
Als ich auf der letzten Seite des Romans ankam, war ich traurig, dass ich diese Familie und die wunderschöne Landschaft nun verlassen muss.

Dies war mein erster Roman von Kristin Hannah, da ich auf Grund der Titel irrtümlich annahm, dass es sich hier um Schmonzetten a la Rosamunde Pilcher handelt. Da ich nun eines besseren belehrt bin, wird es mit Sicherheit nicht allzu lange dauern, bis ich ein weiteres Buch von ihr lese.

Erwähnenswert ist auch die Gestaltung des Covers. Das Bild spiegelt die Sehnsucht, die sich durch die gesamte Geschichte zieht wieder. Als besonderer Blickfang wiederholt sich das Motiv auf dem Schnitt des Buches, was ebenfalls sehr schön aussieht.

Mittwoch, 5. September 2012

"Earth Girl - Die Prüfung" von Janet Edwards


Das Jahr 2789.
Die Menschen haben sich weiterentwickelt. Durch Portale können sie bequem zwischen den Planeten pendeln. Nur wenigen Menschen mit einem Gendefekt bleibt dies verwehrt. Eine davon ist die 17-jährige Jarra, die mit ihrem Schicksal hadert, weil sie einzig auf der Erde leben kann. Den Planeten zu verlassen würde für sie den Tod bedeuten. Während sich ihre Freunde mit der Situation arrangiert haben, kann Jarra diese nicht akzeptieren. Sie will „normal“ sein und nicht länger als Außenseiterin verachtet werden. So fasst sie einen waghalsigen Entschluss. Sie schreibt sich für ein Geschichtsstudium auf einem anderen Planeten ein. Da für das erste Studienjahr Ausgrabungen auf der Erde vorgesehen sind, möchte sie sich beweisen und am Ende den verhassten Normalen all ihre Wut ins Gesicht schleudern.


Janet Edwards hat ihren Roman in der Ich-Form aus der Sicht von Jarra verfasst, die dem Leser rückblickend ihre Geschichte erzählt. Der Schreibstil ist in teilweise trotzigen / flapsigen Worten gehalten, wodurch die Verbitterung des jungen Mädchens Ausdruck findet. Jarra ist ein Charakter, den man sehr schnell zu mögen beginnt. Sie ist intelligent, einfallsreich und lässt sich nicht unterkriegen. Jedoch hat es die Autorin meiner Meinung nach ein wenig zu gut mit ihr gemeint und es kratzt am Rande der Glaubhaftigkeit, dass diese Studentin über alle außergewöhnlichen Fähigkeiten wie Pilotenschein, Erfahrungen mit Ausgrabungen, ein breit gefächertes Wissen etc. verfügt und ihre Kommilitonen weit hinter sich lässt.
Auf der anderen Seite sind ihre Fertigkeiten der Schlüssel, mit dem sie sich Respekt und Anerkennung ihrer Mitstudenten verschafft. Obwohl die anderen im Grunde die „Normalen“ sind, stehen sie Jarra weit nach.
Es ist seltsam, ein Buch zu lesen, in dem Menschen, die so sind, wie wir als behindert bezeichnet werden. Dies macht den Leser darauf aufmerksam, wie gedankenlos wir oft mit dieser Titulierung umgehen und andere der Minderwertigkeit abstempeln, nur weil sie scheinbar nicht der Norm entsprechen.


Auf Grund des interessanten Plots war ich auf „Earth Girl“ sehr gespannt. Leider konnte mich der Roman nicht hundertprozentig überzeugen.
Der Autorin gelingt es durchaus, ihre Geschichte lebendig werden zu lassen. Die Protagonisten entwickeln sich durch die Bank weg zu einem sympathischen Haufen, es gibt keinen wirklichen Fiesling und man würde sich in ihrer Mitte wohl fühlen.
Es ist von allem etwas was dabei – ein wenig Drama, ein wenig Liebe, ein wenig Zukunftsvision – aber eben von allem nur ein wenig, so dass sich weder atemlose Spannung, noch verzehrender Herzschmerz einstellt.
Da es sich um Studenten der Geschichte handelt, findet ein große Teil der Handlung auf Ausgrabungsstätten statt. Ich muss gestehen, dass mich die Schilderungen über die dortigen Vorgehensweisen teilweise ein wenig gelangweilt haben. Janet Edwards erzählt sehr detailliert. Archäologen betreiben Kleinstarbeit, so ist es vielleicht authentisch, dass es auch etwas Ermüdendes mit sich bringt.
Um den Bezug zur Zukunft zu wahren hat die Autorin die Geschichte mit technologischen Wortneuschöpfungen gespickt, deren Bedeutung sich für den Leser aus dem Zusammenhang erschließt.
Auch das Cover ist in einem spacigen Design in Blautönen gehalten. Die Jarra auf dem Titelbild erscheint mir für ein gerade 18-jähriges Mädchen allerdings zu alt gewählt.

„Earth Girl – Die Prüfung“ ist der erste Teil einer Triologie. Lange Zeit erklärte ich mir die Gemütlichkeit des Erzählstils damit, dass die Geschichte auf sehr viele Seiten angelegt ist. Zu meiner Überraschung blieb der erwartete Cliffhanger am Ende aber aus. Im Grunde ist die Geschichte zu Ende erzählt. Gerade dieser Punkt macht mich neugierig, welche Abenteuer die Autorin für Jarra & Co noch bereit hält. Je nach Plot würde ich Janet Edwards eine zweite Chance geben. „Earth Girl“ ist ihr erster Roman und dafür hat sie ihre Aufgabe gut gemeistert und eine solide Leistung erbracht.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

Samstag, 1. September 2012

"Die Akte Vaterland" von Volker Kutscher


Der Berliner Kommissar Gereon Rath wird zu einem seltsamen Tatort gerufen. In einem Fahrstuhl des Vergnügungstempels „Haus Vaterland“ wurde eine Leiche gefunden – Todesursache: Ertrinken.
Da Gereons Gedanken momentan vorallem um seine Verlobung mit der Kommissaranwärterin Charly kreisen kommt ihm der neue Fall alles andere als gelegen und er nimmt seine Ermittlungen nur halbherzig auf. Dies ändert sich schlagartig, als weitere Opfer mit der gleichen Todesursache auftauchen und Rath von seinem Chef nach Masuren abkommandiert wird um die Vergangenheit der Ermordeten zu erforschen.
Dort angekommen gerät der Kommissar in immer tiefere Verstrickungen und in ein Netz einer festzusammenhaltenden Dorfgemeinschaft.


Volker Kutschers neuer Krimi spielt im Jahre 1932. Schon alleine dies hat mein Interesse an dem Buch geweckt. Während in der heutigen Zeit Technologien eine immer größere, unverzichtbare Rolle spielen, ermitteln die Polizisten hier auf eine, gezwungenermaßen, gemächliche Art, setzen das Puzzle aber kontinuierlich zusammen. So manches Mal musste ich schmunzeln, wenn der Autor längst vergangene Alltagssituationen vor dem Auge des Lesers aufleben lässt, wie z. B. die Regelung des Ampelverkehrs über einen Verkehrsturm. Um Kollegen anrufen ,zu können mussten die Kommissare erst einen öffentlichen Münzsprecher suchen und wer in der Wildnis unterwegs ist, war eben nicht zu erreichen. Ein für heute undenkbarer Zustand.
Auch das mittlerweile oft so verpönte Rauchen gehörte damals noch zum guten Ton. So zündet sich Gereon Rath alle paar Seiten eine seiner geliebten Overstolz-Zigaretten an und auch in Vernehmungen wird gerne ersteinmal eine Zigarette geschmaucht.
Generell zeichnet Volker Kutscher seinen Roman sehr bildhaft und der Leser fühlt sich mitten in einem spannenden Schwarz-weiß-Film. Unterstützend hierzu hat der Verlag eigens für diese Serie eine Webseite unter gereonrath.de eingerichtet, unter der Originalaufnahmen aus dem Berlin der 30er Jahre zu finden sind.
Auch die brisante politische Situation lässt der Autor gekonnt in seine Geschichte einfließen. Unmittelbar vor seiner Machtergreifung ist Adolf Hitler für viele Protagonisten des Romans immer noch eine nicht wirklich ernstzunehmende Gefahr. Der vermehrte Aufmarsch brauner Anhänger wird als Störung des friedlichen Miteinanders. aber gleichzeitig auch als vorübergehende Erscheinung, wahrgenommen. Dies spiegelt sicher eine authentische Meinung vieler Bürger der damaligen Zeit wieder.
Sowohl für den Prolog als auch für den Epilog hat Volker Kutscher die Erzählperspektive des Indianers Tokala gewählt, der eine entscheidende Rolle in der Geschichte spielt, wodurch sich der Kreis, der mit der ersten Zeile begann, mit der letzten harmonisch schließt.

„Die Akte Vaterland“ ist bereits der vierte Kriminalroman um Gereon Rath. Ich hatte bisher noch keinen Teil dieser Serie gelesen und leider auch nicht davon gehört. Es lässt sich problemlos auch erst beim vierten Band einsteigen. Von Anfang an fühlte ich mich mitten im Geschehen und die klein gewählte Schrift störte mich nach den ersten paar Seiten nicht mehr. Definitiv macht dieser Krimi Lust auf mehr – mehr von Gereon Rath und so sind seine anderen drei Fälle bereits auf meine Wunschliste gewandert. Ich freue mich über die Neuentdeckung einer Krimiserie, die aus der Masse hervor sticht.

Sonntag, 19. August 2012

"Wassermanns Zorn" von Andreas Winkelmann


Der Wassermann kennt keine Gnade. Wenn er Dich zu einem Tanz unter Wasser auffordert, gibt es kein Entkommen – bis die Dunkelheit Dich verschluckt.

Pünktlich zum Hochsommer in Deutschland erscheint Andreas Winkelmanns neuer Thriller „Wassermanns Zorn“. Ein abkühlendes Bad im See – ein Genuss, der nach dieser Lektüre für manchen Leser mit einem unwohlen Gefühl eingehen könnte. Denn wer weiß schon, welche Grauen auf dem Meeresgrund lauern könnten.

Manuela Sperling ist Polizistin im Praktikum. Die Vorfreude auf ihren neuen Job wird gleich am ersten Arbeitstag gedämpft, als sie Kommissar Eric Stiffler zugeteilt wird. Nicht nur, dass dieser ein Frauenfeind und Egoist ist, auch sein kriminalistisches Geschick scheint fragwürdig. Mehr noch, es hat den Anschein, als wenn er die Ermittlungsarbeiten am aktuellen Fall absichtlich verschleiert und sabotiert. Zudem scheinen die beiden Leichen, die von einem ominösen Täter ertränkt wurden, in Verbindung zu Stiffler zu stehen.
In einer parallelen Geschichte treffen wir auf Lavinia, die sich verfolgt fühlt und Unterstützung bei einem Taxifahrer findet. Kann dieser sie beschützen?

Andreas Winkelmann gelingt es von der ersten Zeile an Spannung zu erzeugen und baut diese kontinuierlich bis zum Ende weiter aus. Durch sehr kurze Kapitel, die sich teilweise nur über eine Seite erstrecken und jeweils am Ende besonders spannend werden, bindet er den Leser an die Geschichte, so dass es kaum möglich ist, die passende Stelle für eine Leseunterbrechung zu finden. In jedem Kapitel wechselt die Perspektive, so dass man manchmal kaum dem Verlangen widerstehen kann, schnell ein paar Seiten nach vorne zu blättern um zu erfahren, wie es mit dem jeweiligen Protagonisten weiter geht. Auch der Täter bekommt Raum seine Beweggründe und Gefühle zu schildern, wodurch er dem Leser auf eine unheimliche Art nahe kommt.
Schon sehr schnell zeichnet sich die Identität des geheimnisvolle Wassermann ab, sowie sein grobes Motiv. Die endgültige Auflösung offenbart sich schlussendlich doch erst am Ende des Thrillers und bringt eine Wendung mit sich, die ich nicht erwartet hätte – die allerdings gleichzeitig ein wenig unnütz ist. Die Praktikantin gegen die Bösen der Welt – Herr Winkelmann erwartet viel von seinen Figuren. Ohne zu viel zu verraten möchte ich als Positiv bewerten, dass der Autor auf eine Auflösung als absolutes Happy-End verzichtet, wodurch er der Geschichte mehr Authentizität verleiht.

Ich habe bereits zwei Thriller von Andreas Winkelmann gelesen („Tief im Wald und unter der Erde“ und „Hänschen klein“) wodurch ich eine ziemlich hohe Erwartungshaltung an „Wassermanns Zorn“ hatte. Diese konnte der Autor nicht ganz erfüllen, weil mir das letzte Fünkchen gefehlt hat, um das Buch langfristig in Erinnerung zu behalten. Auch der Gruselfaktor ist nicht so hoch, wie bei seinen anderen Veröffentlichungen. Dennoch habe ich den Thriller begeistert gelesen und kann ihn weiter empfehlen.
Sympathisch und amüsant ist auch das Schlusswort des Autors, so dass man sich schon jetzt auf weitere Werke freut.




Dienstag, 14. August 2012

"Wenn die Nacht am stillsten ist" von Arezu Weitholz


Als Anna Ludwig findet, liegt er im Bett. Nach einer Überdosis Tabletten ist er in einen tiefen Schlaf gefallen. Man würde erwarten, dass Anna nun panisch den Notarzt ruft. Doch nein, sie setzt sich an sein Bett, betrachtet den bewusstlosen Ludwig und beginnt zu reden. Was im ersten Moment irrational und hartherzig erscheint, erschließt sich beim weiteren Lesen als wortgewaltiger Ausbruch einer ungehörten Frau.
Die von ihren Mitmenschen unbeachtete Anna und Ludwig, der weltgewandte Karrieremensch, der nur Bewunderung erntet - ein Paar, wie es unterschiedlicher nicht sein kann. Ihre Beziehung ist geheimgehalten sowie auch die Gefühle des Paares. Sorgen und Nöte sind für Ludwig ein Ausdruck von Schwäche und dafür hat er in seiner Welt keinen Platz. Er lässt die Frau an seiner Seite emotional verhungern und so muss diese alleine fertig werden, mit der Krankheit ihrer Mutter und mit ihrer Vergangenheit.

Mit „Wenn die Nacht am Stillsten ist“ legt Arezu Weitholz ein kleines Buch großer Worte vor. Die ersten 40 Seiten umfassen einen Monolog Annas, während sie an Ludwigs Bett sitzt. Ihre Gedanken springen hin und her und man kann die Situation nicht sofort erfassen. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Tag vor dem einschneidenden Erlebnis. Hier wird der Erzählstil ruhiger und man fühlt sich schnell mitten im Geschehen. Die Charaktere und Orte entstehen lebendig vor dem inneren Auge des Lesers. Und auch die Emotionen Annas schwappen aus den Buchseiten heraus. Man empfindet Mitgefühl mit dieser einsamen Frau und möchte ihr gerne beistehen.

Etwas störend empfand ich, dass das Buch in lediglich zwei Kapitel unterteilt ist und es so etwas schwierig ist, einen Absatz zu finden, um das Lesen zu unterbrechen. Aber da das Buch eine geringe Seitenzahl von 200 beträgt, habe ich einfach immer weiter gelesen, die Geschichte entwickelt einen Sog und lässt einen nicht mehr los. Die von Frau Weitholz verwendete Sprache ist wunderschön und ich habe bewusst langsam gelesen um kein einziges Wort, keinen Satz zu verpassen sondern alle aufzunehmen. Das Ende kommt viel zu schnell und lässt den Leser im ersten Moment ratlos zurück. Im nächsten Augenblick ist genau dieses Ende zum Roman passend – jedes Andere wäre zu trivial.


Freitag, 27. Juli 2012

"Vollendet" von Neal Shusterman



„Aber wenn jeder Teil von Dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem, lebst Du dann oder bist Du tot?“

Mit diesen eindringlichen Worten im Klappentext zieht Neal Shusterman unverzüglich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Auch das silber glänzende Cover fungiert als Eyecatcher.

Zur Story:
Amerika in der Zukunft. Eltern sowie Waisenhäuser haben die Möglichkeit ungewollte Kinder bis zum 18. Lebensjahr umwandeln zu lassen. Dies bedeutet, dass jeder Körperteil und jede Zelle zur Spende verwendet wird. Es gibt kaum noch Ärzte, wie wir sie kennen, sondern überwiegend Chirurgen. Statt einer Behandlung mit Medikamenten werden die erkrankten Körperteile und Organe einfach ausgetauscht.
Auch Abtreibung wurde mittlerweile verboten. Mütter, die umgehen wollen, dass ihre Kinder in Heime kommen, legen diese einfach vor willkürlichen Haustüren ab. Der Finder ist verpflichtet,
das Kind aufzuziehen.
Nicht jeder Wandler ist bereit, sein Schicksal anzunehmen. Wie Connor, der nur durch Zufall erfuhr, dass seine Eltern die Umwandlungspapiere unterzeichnet haben. Mutig setzt er alles auf eine Karte und riskiert die Flucht.
Unfreiwillig wird auch der als Opfer geborene Lev ein Teil davon. Zusammen mit dem Waisenmädchen Risa machen die drei sich auf ihre Odyssee. Quer durch Amerika, die Gefahr geschnappt zu werden stets im Nacken.

Neal Shusterman begeistert mit seinem eindringlichen, rasanten Schreibstil. Durch die kurzen Kapitel aus verschiedenen Perspektiven gewinnt er zusätzlich an Tempo.
Fasziniert und erschüttert zugleich möchte man das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Lange Zeit kann man sich unter der Umwandlung nicht wirklich etwas vorstellen und tappt, wie die Wandler, über die Machenschaften in den Erntekliniken im Dunklen. Bis zu dem Kapitel, in dem sich der Autor voll und ganz dieser grausigen Operation widmet und dem Leser allein bei der Vorstellung, ihm würde dies widerfahren, das Blut in den Adern gefriert.

Auch wenn der Roman fiktiv ist, bleibt dennoch der Zweifel, ob dies nicht in irgendeiner Form eines Tages Realität werden könnte. Bereits in unserer Welt ist nicht jedes Leben geschützt. Abtreibung ist legitim. Doch wann beginnt das Leben und ist die Seele immer schon da? Auch die Jugendlichen in „Vollendet“ beschäftigen sich mit dem Thema Seele. Des Weiteren zeigt der Autor auf, wie nah Religiosität und Fanatismus oftmals zusammen liegen und wie schnell ein Verzweifelter zu glauben beginnt, ein Selbstmordattentat sei der einzige Weg um seine Umwelt wach zu rütteln.

Neal Shusterman ist mit „Vollendet“ ein absolut lesenswertes Werk gelungen.
Bereits im August erscheint der Fortsetzungsband auf englisch. Jedoch steht der erste Teil für sich alleine und ist im Grunde mit der letzten Zeile abgeschlossen.

Samstag, 5. Mai 2012

"Die Wildrose" von Jennifer Donnelly



Mit „Die Wildrose“ schließt Jennifer Donnelly ihre Rosentriologie ab. Schon die beiden Vorgänger „Die Teerose“ und „Die Winterrose“ habe ich begeistert verschlungen. Etwas schmunzeln ließ mich, wie diese beiden dicken Wälzer als Einstieg auf ein bis zwei Seiten zusammen gefasst wurden.

„Die Wildrose“ erzählt das Leben des jüngsten Finnegan Bruder Seamus, genannt Seamie. Seit dieser durch tragische Umstände von seiner großen Liebe Willa verlassen wurde ist er von einer nicht zu unterdrückenden Rastlosigkeit geplagt. Wie ein Vagabund streift er durch die Welt, stets auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Spätestens seit seiner Expedition zum Südpol ist er ein gefragter Forscher. Erst die Begegnung mit der Pfarrerstochter Jennie lässt in ihm die Hoffnung aufkeimen, dass es ihm doch möglich ist, für eine andere Frau Liebe zu empfinden. Gerade als er sesshaft geworden ist, lässt das Schicksal seinen und Willas Weg erneut kreuzen und sein mühsam aufgebautes Kartenhaus stürzt ein.

Nach den herausragenden Vorgängerbüchern habe ich mich sehr auf „Die Wildrose“ gefreut und ging mit hohen Erwartungen an das Buch heran. Auch dieses Mal gelingt es der Autorin schnell den Leser in das Geschehen einzubinden. Bildgewaltig lässt sie die Schauplätze des Romans aufleben und webt reale Gegebenheiten ein. So lässt sie Seamus einen Teil der ersten Südpolexpedition sein und Willa begleitet Laurence von Arabien bei seiner Mission.
Auf Grund der Epoche, in der der Roman spielt, ist natürlich auch der 1. Weltkrieg ein Thema. Leider fand ich die eingebaute Spionagegeschichte um den Deutschen Max von Brandt etwas langweilig und war froh, dass die betreffenden Kapitel nur so kurz waren. Viel lieber wollte ich von den Hauptcharakteren lesen. Dieses Mal hatte ich allerdings Schwierigkeiten, mich vollständig in die Geschichte zu vertiefen und mit den Protagonisten mitzufiebern. Auf eine Art sind sie mir alle drei sympathisch. Seamie, Willa und Jennie. Jeder betrügt den anderen auf seine eigene Art, auch wenn dies niemand aus Boshaftigkeit tut. Alle drei sind sie Opfer ihrer persönlichen Vergangenheit und innersten Gefühlen. Man kann jeden verstehen und doch wieder nicht richtig. So ist es schwierig, sich hundertprozentig mit den Charakteren zu identifizieren und ein ideales Happy-End zu finden, auf welches man hofft.

Auch die Hauptfiguren aus Teil eins und zwei haben Plätze in diesem neuen Buch gefunden. Haben sie jedoch all ihre Probleme in ihren eigenen Büchern gelöst, werden sie nun vorallem als absolute Gutmenschen gezeichnet, was für meinen Geschmack schon fast zu viel ist.

So plätschert die Story bis ungefähr zur Mitte des Romans vor sich hin – um plötzlich, als man schon nicht mehr damit rechnet, an Fahrt zu gewinnen. Die Ereignisse überschlagen sich und das Buch wird von Seite zu Seite spannender. Ist der Leser die meiste Zeit eine Nase voraus, hinsichtlich der Dinge, die als nächstes eintreffen können, entsteht gegen Ende noch die ein oder andere Verwicklung, mit der ich in dieser Form doch nicht gerechnet hatte.

Abschließend kann ich sagen, dass „Die Wildrose“ zwar nicht an ihre Vorgänger herankommt, aber dennoch eine unterhaltsame Lesezeit bietet. Auch das Cover passt perfekt zum Titel und schließt an die beiden anderen Bände an. Bedauerlicherweise unterscheiden sich die drei Buchrücken in ihrem Layout und in ihrer Farbe von einander, so dass sie nicht unbedingt als Serie zu erkennen sind, wenn man die Bücher im Regal betrachtet.