Donnerstag, 3. März 2011

Hemmersmoor - Stefan Kiesbye



Der erste Blick auf das Cover von „Hemmersmoor“ assoziierte mir, dass es sich hierbei um einen nordischen Thriller handeln könnte.
Dieser erste Eindruck trügt jedoch, denn bei Hemmersmoor handelt es sich um ein kleines Dorf in Norddeutschland.

Hierhin kehrt Christian nach vielen Jahren zurück und hier erinnert er sich an seine Kindheit und Jugendzeit.
Das Buch wird in Rückblicken jeweils in der Ich-Form aus der Sicht von Christian, Martin, Linde und Anke geschildert.
Freunde kann man diese vier nicht nennen, obwohl sie viele Jahre miteinander verbinden, stehen sie in keiner besonderen Beziehung zu einander. Neben ihren Schicksalen werden auch die weiteren mehr oder weniger eigenwilligen Dorfbewohner beschrieben. Passend zum Cover ist auch die Stimmung dieses Buches. Düster und voller Aggressivität, Neid und Hass ist das Leben in Hemmersmoor. Jedes (Fehl-)verhalten der Nachbarn wird beäugt und überwacht und niemand gönnt dem anderen auch nur den geringsten Erfolg. Auf Polizei wird hier kein Wert gelegt, die Dorfbewohner sind ihre eigenen Richter und diese kennen keine Skrupel.
Und so ist es kein Wunder, dass in dieser lieblosen, tristen Welt auch die Kindheit der Protagonisten kein Zuckerschlecken ist. Um dem langweiligen Alltag zu entfliehen, denken sie sich allerlei „Spiele“ aus und schrecken dabei auch vor Gewalt und sogar Mord nicht zurück. Stets ohne auch nur einen Ansatz von Reue für ihre Taten zu entwickeln.

Nach der Leseprobe war ich mir unschlüssig, ob mir „Hemmersmoor“ zusagen wird. Nun, da ich es beendet habe, kann ich sagen, dass es meine Erwartungen übertroffen hat. Obwohl Stefan Kiesbye in einem distanzierten und kühlen Erzählstil schreibt, fesselt einen das Buch fast von Anfang an. Die skrupellosen Taten der Dorfbewohner lassen einen während des Lesens erschüttert innehalte. Mich hat die vermittelte Stimmung etwas an die des Filmes „Das weiße Band“ erinnert, auch dort spürt man dieses Unwohlsein.
Das einzige Manko ist für mich die geringe Seitenzahl. 200 Seiten empfinde ich für ein Buch einfach zu wenig. Ich denke, es wäre dem Autor gelungen, auch über 100 bis 150 weitere Seiten die Aufmerksamkeit des Lesers zu behalten und er hätte die Möglichkeit gehabt, die Geschichte runder ausklingen zu lassen. Das Ende kommt hier doch sehr abrupt, als hätte er seine gewünschte Länge erreicht und an dieser Stelle einfach den Stift niedergelegt.

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