Donnerstag, 19. April 2012

"Rotes Gold" von Tom Hillenbrand







Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer bewegt sich in den vornehmsten Kreisen von Paris. Diesen gesellschaftlichen Aufstieg hat er vorallem seiner Beziehung zu der berühmten Gastrokritikerin Valèrie zu verdanken. Jedoch fühlt Xavier sich in der High-Society nicht wirklich wohl und begleitet seine Freundin nur widerwillig zu einem Dinner des Bürgermeisters. Die übersättigte Gesellschaft ist ständig auf der Suche nach neuen, kulinarischen Offenbarungen und so wurde dieses Mal ein berühmter Sushimeister geladen, um den Gästen exquisite Speisen zu servieren.
Mutet der Abend zuerst noch langweilig und steif an, nimmt er eine unerwartete Wendung, als der Sushimeister plötzlich vor den Augen aller Anwesenden zusammenbricht und später den Folgen einer Vergiftung erliegt.
Da die Polizei die Ermittlungen nur halbherzig durchführt, bittet der Pariser Bürgermeister Xavier Kieffer Licht ins Dunkel zu bringen.

„Rotes Gold“ ist bereits der zweite Band von Tom Hillenbrands Krimiserie. Es ist nicht zwingend erforderlich den ersten Teil „Teufelsfrucht“ gelesen zu haben, da die Bücher in sich abgeschlossen sind.
Der Autor schreibt in einem bildhaften Stil, so dass man sich schnell mitten im Geschehen befindet. Jedoch fragte ich mich schon nach wenigen Kapiteln, was mich dazu bewogen hat, dieses Buch lesen zu wollen. Da ich eine leidenschaftliche Hobbyköchin bin und Krimis liebe, fühlte ich mich vom Untertitel „ein kulinarischer Krimi“ angesprochen. Dass in einem Buch, welches im Sushimillieu spielt, Fisch gegessen wird leuchtet ein. Auf diese detaillierten Schilderungen des Fischfangs war ich jedoch nicht vorbereitet. Bei der Beschreibung des blutigen Massakers und der nicht artgerechten Haltung fühlte ich mich einmal mehr im Verzicht des Nahrungsmittels Fisch bestätigt. Ich hoffe, dass das Aufzeigen dieser Methoden auch den ein oder anderen Leser dazu anregt, seinen Fischkonsum zu überdenken.

Auch die weiteren beschriebenen französischen Essgewohnheiten sind für Vegetarier alles andere als leichte Kost. Beginnend mit Austern und Gänsestopfleber gipfeln sie im Verzehr eines Spatzes, eines so genannten Ortolans. Für mich die brutalste Szene des Buches, dessen Bilder mich noch länger verfolgten und die Xavier Kieffer einige Sympathiepunkte bei mir kosteten.

Ansonsten ist Kieffer im allgemeinen ein gemütlicher Zeitgenosse, der sich mehr gezwungen als freiwillig dazu berufen fühlt den Mord an Mifune aufzuklären. Dabei folgt er keinem wirklichen Plan, sondern agiert überwiegend intuitiv. Da Xavier kein Polizist, sondern ein Koch ist, hatte ich keinen atemlose Spannung erwartet, sondern einen etwas ruhigeren Krimi. Auf den überwiegenden Teil des Buches traf diese Prognose zu. Überraschenderweise wurde die Geschichte gegen Ende noch um einiges rasanter.
Natürlich ist es immer etwas unglaubwürdig, wenn Privatpersonen ganze Kriminalfälle auflösen, aber ein Buch muss ja nicht immer in jedem Punkt realistisch sein.
Alles in allem habe ich „Rotes Gold“ gerne gelesen, auch wenn ich kein Bedürfnis verspürte, mich für eine längere Zeit darin zu vertiefen. Ein letzter kleiner Kritikpunkt – für meine Verhältnisse wurde in diesem Buch eindeutig zu viel geraucht!

Bewertung: 3,5 Sterne

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