Freitag, 27. Juli 2012

"Vollendet" von Neal Shusterman



„Aber wenn jeder Teil von Dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem, lebst Du dann oder bist Du tot?“

Mit diesen eindringlichen Worten im Klappentext zieht Neal Shusterman unverzüglich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Auch das silber glänzende Cover fungiert als Eyecatcher.

Zur Story:
Amerika in der Zukunft. Eltern sowie Waisenhäuser haben die Möglichkeit ungewollte Kinder bis zum 18. Lebensjahr umwandeln zu lassen. Dies bedeutet, dass jeder Körperteil und jede Zelle zur Spende verwendet wird. Es gibt kaum noch Ärzte, wie wir sie kennen, sondern überwiegend Chirurgen. Statt einer Behandlung mit Medikamenten werden die erkrankten Körperteile und Organe einfach ausgetauscht.
Auch Abtreibung wurde mittlerweile verboten. Mütter, die umgehen wollen, dass ihre Kinder in Heime kommen, legen diese einfach vor willkürlichen Haustüren ab. Der Finder ist verpflichtet,
das Kind aufzuziehen.
Nicht jeder Wandler ist bereit, sein Schicksal anzunehmen. Wie Connor, der nur durch Zufall erfuhr, dass seine Eltern die Umwandlungspapiere unterzeichnet haben. Mutig setzt er alles auf eine Karte und riskiert die Flucht.
Unfreiwillig wird auch der als Opfer geborene Lev ein Teil davon. Zusammen mit dem Waisenmädchen Risa machen die drei sich auf ihre Odyssee. Quer durch Amerika, die Gefahr geschnappt zu werden stets im Nacken.

Neal Shusterman begeistert mit seinem eindringlichen, rasanten Schreibstil. Durch die kurzen Kapitel aus verschiedenen Perspektiven gewinnt er zusätzlich an Tempo.
Fasziniert und erschüttert zugleich möchte man das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Lange Zeit kann man sich unter der Umwandlung nicht wirklich etwas vorstellen und tappt, wie die Wandler, über die Machenschaften in den Erntekliniken im Dunklen. Bis zu dem Kapitel, in dem sich der Autor voll und ganz dieser grausigen Operation widmet und dem Leser allein bei der Vorstellung, ihm würde dies widerfahren, das Blut in den Adern gefriert.

Auch wenn der Roman fiktiv ist, bleibt dennoch der Zweifel, ob dies nicht in irgendeiner Form eines Tages Realität werden könnte. Bereits in unserer Welt ist nicht jedes Leben geschützt. Abtreibung ist legitim. Doch wann beginnt das Leben und ist die Seele immer schon da? Auch die Jugendlichen in „Vollendet“ beschäftigen sich mit dem Thema Seele. Des Weiteren zeigt der Autor auf, wie nah Religiosität und Fanatismus oftmals zusammen liegen und wie schnell ein Verzweifelter zu glauben beginnt, ein Selbstmordattentat sei der einzige Weg um seine Umwelt wach zu rütteln.

Neal Shusterman ist mit „Vollendet“ ein absolut lesenswertes Werk gelungen.
Bereits im August erscheint der Fortsetzungsband auf englisch. Jedoch steht der erste Teil für sich alleine und ist im Grunde mit der letzten Zeile abgeschlossen.

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